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stadtbücherei neu-ulm
begrüßung
einführung
metamorphose
einführung: STEPHAN DAUMANN regionaler qualitätsbeauftragter für senioreneinrichtungen der evangelischen heimstiftung stuttgart schwarzer brei 1/2 - 3/4 liter wasser zum kochen bringen. 1 kaffeetasse kornschrot mit milch und salz zu einem dickflüssigen brei anrühren. in kochendes wasser einrühren und weiterrühren, bis es blasen wirft. auf einer zweiten feuerstelle langsam, etwa 1/2 stunde, weiterkochen, bis das mus weich ist. wenn der brei zu dick ist, milch oder wasser dazugeben. das ganze wird mit schmalz und hellgelb gebräunten zwiebeln abgeschmälzt. je dünner die lage, je besser. schwarzer brei wird mit rohem oder gekochten obst gegessen. auch grieben schmecken sehr gut dazu. als mich herr HIEBER bat, zu seiner ausstellung ein paar gedanken über die menschen vorzutragen, die er in seinen bildern vorstellt, mußte ich erst mal nachdenken, was ich zu seinem thema sagen kann. und es ist bei weitem nicht alles erwähnt, was mir dazu einfällt. ich habe versucht das für mich wichtige und passende herauszuheben. ich bin durch meinen beruf als krankenpfleger und meiner tätigkeit als pflegedienstleiter in einer altenpflegeeinrichtung stets in kontakt mit älteren menschen gewesen. die menschen, die ich kennenlernen durfte, konnten mir immer etwas „zurück“ geben. doch welche facetten und typen mir begegneten, welche charaktere meine mitmenschen hatten und haben, es gibt kaum interessantere gesichter anzusehen wie die von kindern und von alten menschen. lassen Sie sich durch die modells der ausstellung „faltzeit“ auf eine ganz besondere reise mitnehmen. bei der betrachtung der bilder gebe ich ihnen ein paar gedanken mit, die sie auf sich wirken lassen können. alte menschen sind oft sehr starrsinnig, sie leben in einer nein in ihrer welt mit ihren werten. sie haben diese werte schon sehr lange und konnten sich damit ihr leben gestalten. lassen wir zu, dass sie diese werte weiter leben dürfen, oder ist unsere generation eher geneigt, diese werte, die als lebensstütze dienen, wegzuschlagen, wie die krücken eines lahmenden? auch alte mitmenschen können „böse“ sein, oft auch zu ihresgleichen. manchmal hatte ich das gefühl, dass mit dem älterwerden die menschen sich weniger um rücksicht und vor allem um nachsicht bemühen. warum nur? wenn ich daran denke, wann oder wie schnell ich mal ein böses wort über jemanden verloren habe, was sollte unsere generation von ihrer unterscheiden? müssen sie nicht mit viel mehr realismus leben als wir. alles was sie in ihrer kindheit und jugend beigebracht bekamen, zählt heute fast nicht mehr. sie folgten einer völlig fehlgeleiteten ideologie. sie brachen in einen krieg auf, sie verloren ihn, manchen von ihnen begegneten dem krieg zweimal. ich kann mir nicht vorstellen, welche angst, trauer, leid und not diesen menschen widerfahren ist. wie viele sind dem tod direkt begegnet, wie viele mußten töten, um nicht selbst zu sterben. welche leiden mußten die daheimgebliebenen ertragen, wie oft kam die nachricht über den heldenhaften tod des vaters, bruders oder ehemannes ins haus. nicht zu vergessen, die angst vor den näher rückenden alliierten, bombenangriffen und besetzungen. und trotzdem sehen sie in diesen gesichtern, in die augen. war es nicht genau diese generation, die es geschafft hat, unsere gesellschaft wieder aufzubauen? die anlage eines demokratischen systems, dass uns freiheit und vor allem schon über 50 jahre frieden beschert hat. ich glaube, wir vergessen manchmal, wie wichtig diese freiheit und der frieden ist. wie oft werden diese beiden errungenschaften sinnlos mit füßen getreten und jedes mal, wenn das passiert, ist das auch ein tritt gegen die generation, die uns den frieden ermöglicht hat. betrachten Sie die bilder und denken sie darüber nach, was es bedeutet „respekt“ zu haben. werden die menschen älter, verlieren sie oft einen teil ihres kurzzeitgedächtnis, was eine selbständige lebensführung unmöglich machen kann. manchmal bleiben nur noch die erinnerungen an besonders schöne oder schlimme abschnitte ihres lebens. ich habe sie erlebt: rastlos ihre familie oder ihre kinder suchend, heimatlos, entwurzelt, vollkommen verirrt in der realität, beladen mit schuld und sühne ohne ausweg, verwirrt, entrückt. menschen, die sich nicht mehr in der gegenwart zurechtfinden, ziehen sich zurück. leben manchmal in der vergangenheit oder sind nur noch stumme zeugen ihrer persönlichkeit. wer schafft es, sie dort abzuholen, wo sie sich befinden? wer beschäftigt sie sinnvoll, wer liebt sie, wer berührt ihre seele z.b. mit musik, mit einem alten gedicht, gebet, mit streicheln? wer schenkt ihnen zeit? bezahlbar ist die pflege alter menschen von ihnen selbst nicht mehr. und das was bezahlt wird, reicht nur für die grundversorgung. und wenn ich in die nahe zukunft sehe, wird es nicht besser. wer sich mit älteren menschen befaßt, erkennt sehr schnell, wie viele fähigkeiten und ressourcen sowohl beruflich, wie sozial, in ihnen stecken. es sind wandelnde geschichtsbücher (des 20. jahrhunderts) unter ihnen, die teilweise noch vom kaiser erzählen können. und wenn wir in die gesichter dieser menschen sehen, über ihre fehler, ihre guten seiten, über ihre persönlichen eigenheiten und charaktere nachdenken, wenn wir sie ver- oder beurteilen, wenn wir kritisieren, wenn wir respektlos sind, wenn wir sie verdrängen und eigentlich sie nicht wahrnehmen wollen, wenn wir ihre anwesenheit als unangenehm empfinden, vergessen wir nicht, wir die betrachter, sind ein teil der gesellschaft der dafür verantwortlich ist, unser eigenes altwerden zu gestalten. und irgend wann kommt HIEBER`s urenkel und macht eine ausstellung über uns.
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